100 Gramm Darjeeling Supreme Second Flush Phuguri kosten bei Tee Gschwendner 29,80 Euro, bei den Pflückerinnen im indischen Bundesstaat Westbengalen kommen davon jedoch nur 0,42 bis 0,83 Euro an. Dies belegt die Studie “Edle Tees für Hungerlöhne. Teeexporte von Darjeeling nach Deutschland” von Benjamin Luig, seit 2016 Leiter des Dialogprogramms Ernährungssouveränität der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Auf vier Plantagen (Pandam, Phuguri, Kalej Valley und Monteviot) wurden hierfür Gruppeninterviews mit Arbeiter*innen durchgeführt. Ein besonderer Fokus wurde dabei auf deren Lebens- und Arbeitsbedingungen gerichtet.
Drei der Plantagen sind durch Rainforest Alliance und zwei der Plantagen durch Fairtrade zertifiziert. Alle vier Plantagen beliefern deutsche Teehändler wie TeeGschwendner, Teekampagne, Hälssen & Lyon oder Dethlefsen & Balk. In der Studie heißt es u.a.:
Deutsche Importeure haben für die Teeproduzenten in Darjeeling […] eine zentrale Bedeutung. [Deutsche] Unternehmen […] kaufen schätzungsweise ein Viertel der jährlichen Teeproduktion aus Darjeeling auf.
[S. 3]
Und weiter:
Die Kalkulation eines deutschen Teeimporteurs im Hochpreissegment von losem Tee zeigt: Nur rund 30 Prozent vom Endpreis verbleiben in Indien, davon maximal 22 Prozent bei dem Unternehmen, das die Plantage betreibt. Die Teepflückerin erhält umgerechnet zwischen 1,4 und 2,8 Prozent vom Ladenpreis in Deutschland. […] Aktuell erhalten Pflückerinnen so umgerechnet einen Lohn von 2,25 Euro pro Tag (176 Rupien). Diesen Lohn erhalten sie aber nur dann, wenn sie die täglichen Erntevorgaben der Akkordarbeit erfüllen.
[S. 3]

Die Studie belegt außerdem, dass dieser Lohn nicht zum Überleben reicht:
Auf allen vier Plantagen sind die Arbeiter*innen auf die staatliche Subvention von Grundnahrungsmitteln angewiesen und versuchen, zusätzlich Obst und Gemüse für den Eigenbedarf anzubauen.
[S. 3]
Zudem wurden auf allen Farmen unzureichende Leistungen in elementaren Bereichen der sozialen Versorgung, und auf zwei der Farmen sogar eklatante Menschenrechtsverletzungen entlarvt.
Insgesamt zeigt die Untersuchung, dass die Teeproduktion für den Export nach Deutschland nicht dazu beiträgt, Armut und Armutsverhältnisse auf den Plantagen zu überwinden.
[S. 4]
Die Studie schließt mit konkreten Forderungen an die Bundesregierung, die indische Regierung, den Staat West Bengalen und die Teeimporteure.
Mehr Infos zu Teeexporten von Darjeeling nach Deutschland:
- Studie “Edle Tees für Hungerlöhne. Teeexporte von Darjeeling nach Deutschland” der Rosa-Luxemburg-Stiftung
- Hungerlöhne für edle Tees [Deutschlandfunk]
- Darjeeling wird in Deutschland teuer verkauft – die Pflückerinnen in Indien bekommen Hungerlöhne [Frankfurter Rundschau]
- Studie: Deutsche Teefirmen mitverantwortlich für prekäre Situation in Darjeeling [Yahoo Finanzen]
- Teurer Tee, billige Arbeitskraft [taz, 12.07.2019]

Es fällt mir schwer zu glauben, dass die Teekampagne mit von der Partei sein soll. Schließlich wirbt sie seit 30 Jahren für faire Bedingungen…
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